Thema: Bäume der Erkenntnis

Baumanthropomorphose IMKA 1976 Öl auf Leinwand verkauft

Meine Gedanken zum Titel der Einzelausstellung im Naturfreundehaus in Köln 2006

Die Kulturgeschichte der ganzen Menschheit ist voller Symbole. Es sind hinweisende Zeichen auf die dahinter liegenden Philosophien, Religionen und Weltanschauungen.
Der Baum ist als Symbol weltumspannend.
Ausgehend vom biblischen Baum der Erkenntnis, von dem Eva die Frucht aß und an Adam weiterreichte, beide hierdurch zur Fähigkeit der Erkenntnis gelangten, somit ihre Unschuld verloren und damit das Paradies,
sie aber dadurch die Möglichkeit der Entscheidung erlangten: "Ja und Nein" zu sagen, bis hin zum Baum des Lebens, dessen Frucht ewiges Leben verspricht und nur dem Schöpfer vorbehalten ist, gibt es viele Variationen.
Es gibt viele Kulturen für die der Baum als Symbol den Menschen darstellt. Ihnen gemeinsam ist die Mehrfachbedeutung: Die Verwurzelung des Baumes in der Erde und das gleichzeitige Hineinreichen durch die Äste in den Himmel. So steht der Mensch mit beiden Beinen auf der Erde und mit seinem Geist verbindet er sich mit dem Himmel.
In vielen Märchen, Liedern, Geschichten und vorchristlichen Mythen spielt der Baum und der Wald eine wichtige Rolle. In der Baummagie der Kelten hat jeder Baum eine besondere Kraft, die sich der Mensch über bestimmte Rituale dienstbar machen kann. Bis heute kennen wir die Redewendung: “Da gibt es noch eine harte Nuss zu knacken“, und gemeint ist ein Rätsel oder ein Problem, das noch auf seine Lösung wartet. Diese Redewendung verweist auf einen Haselstrauch in seiner magischen Bedeutung. Der Haselstrauch stand bei den Kelten als Zeichen für Tod, Verwandlung und Weisheit. Wer das Märchen „Aschenputtel“ kennt, wird es mit dieser Information noch einmal neu interpretieren.

Die Esche, auch „Weltenbaum“ genannt, bekommt ihre Weihe im germanischen Glauben durch den höchsten Gott Odin, der sich freiwillig kopfüber in den Baum hängte und über diesen neuen Blickwinkel seine Erleuchtung erfuhr, nämlich die Kenntnis über die Runen.
Im Niltal Ägyptens wurden Bäume verehrt, und einigen Göttern sagte man nach, sie seien aus Bäumen geboren: Horus aus der Akazie und Re aus der Sykomore.
Buddha, der Erleuchtete, erreichte diesen Zustand nach sechsjähriger unbefriedigender Wahrheitssuche als Bettler und nach ebenso erfolgloser Schmerzaskese erst, als er sich unter dem Boddhi-Baum niederließ und in tiefe Meditation versank.
Der Baum als verweisendes Zeichen ist noch lange nicht erschöpft. In unseren Redensarten wird das deutlich:
„Der Mensch fühlt sich verwurzelt oder entwurzelt“, „Er ist stark wie ein Baum“, „Er hat eine harte Schale und einen weichen Kern“, „Er ist ein baumlanger Kerl“, „Er hat einen weit verzweigten Stammbaum“, „Sie ist schlank wie eine Tanne“, „Toi,toi,toi“ , zur Abwendung des Unglücks klopft man auf Holz.
Bäume sind nützlich. Sie liefern uns und vielen Tieren und Pflanzen Nahrung, erneuern den Sauerstoffgehalt der Luft und verbessern dadurch unsere Atemluft. Sie spenden Schatten und halten die Erde feucht. Sie bieten Behausung und Schutz für Tiere und Menschen.
Es ist lohnenswert, sich mit Bäumen zu beschäftigen. Auf vielen Ebenen erweitern sie unsere Kenntnisse und führen uns, wenn wir es zulassen, auch zu mancher Erkenntnis. Zum Beispiel zu der Erkenntnis, dass der Baum unser Lehrmeister sein kann im Spiegelbild unserer Person und der menschlichen Gesellschaft. So hat mich die Beschäftigung mit dem alten, einzigartigen Baum zur Auseinandersetzung mit meiner eigenen Individualität geführt.
IMKA 2006